Das ganze Karolinenviertel ist von Hipstern besetzt. Das ganze Karolinenviertel?!

Das ganze Karolinenviertel ist von Hipstern besetzt. Das ganze Karolinenviertel?! Nein, ein kleines Kaffeehaus leistet der Übernahme der Hipster seit Jahren Widerstand. Im Habor Cake Hamburg lässt es sich ausgezeichnet von Bord gehen.

Während unseres Citytrips durch Hamburg schlenderten Dennis und ich durch das bunte & hippe Karolinenviertel. Ein Stadtteil, der seit der Hipsterbewegung vollständig von Skateboards, lässigen Mützen und allerlei anderer angesagter Artefakte überschwemmt wurde. Ein Retroladen, in dem man Bekleidung und Accesoires aus den 20er bis zu den 90er Jahren bekommt, scheint da noch ein recht normaler Ablick zu sein. 

Mit ihrem Standartspruch begrüßt uns die Verkäuferin und weist uns darauf hin, dass fast alles was man im Laden findet ungetragen und zu hundert Prozent authentisch ist. Von den 20er bis zu den 90er Jahren ist bei ihr alles zu finden und selbstverständlich alles Retro. Schrill bunte Jogginganzüge aus Fallschirmstoff hängen neben Designerstücken aus den 50er Jahren. Wer in diesem Laden nichts findet ist einfach nicht hip genug und genauso verhält es sich auch im Laden direkt nebenan und in dem daneben und dem daneben ebenfalls. Aus Skateboards recycelte Wohnaccesoires, Wickeltücher für hippe Muttis zum selbst bedrucken, second hand Stores und hippes mehr. Und wenn man denkt: „Ok, natürlich darf jetzt hier auch ein Hipstercafe nicht fehlen, der wird auf den ersten Blick nicht enttäuscht. Ankreuzfrühstück in Vintage-Einrichtung, bunt bemalte Lautsprecher, Anglizismen und bekannte Wortspiele – eben ganz Hipster.

Kaffee & Kuchen

Doch dann läuft man an einem selbst gebastelten Fähnchen vorbei, auf dem mit bunten Stoffflicken „Kaffee und Kuchen“ beworben wird und man denkt sich etwas ironisch: „Yeahhh, ganz cool, das Cafe schaut ja mal etwas alternativ und hip aus – mal was anderes.“ Und alles was gut und selbstgemacht ist wird natürlich von den Hipstern der Stadt aufgesogen und inkorporiert. Doch im Gegensatz zu den vielen anderen Läden, die das Karolinenviertel zu bieten hat, wird das Habor Cafe von den verschiedensten Leuten besucht. Ehemalige Bewohner des Stadtteils, die womöglich von den Mützenträgern verdrängt wurden aber nicht auf den fantastischen Kuchen verzichten wollen, Besucher der Stadt, die außerhalb von Österreich ein paar Tiroler Spezialitäten genießen möchten und generell die Freunde großartiger Backkunst und Kuchen. Gefühlt 50 verschiedene Kuchen, Torten und Backwaren erwarten einen in der Auslage und rufen einem zu: „Worauf wartest du noch?! Iss uns!“ Darüber hinaus prangen große Tafeln an den Wänden, die einen dazu verleiten nicht nur die Backwaren zu probieren, sondern noch etwas länger zu verweilen, um noch die österreichischen Köstlichkeiten zu genießen, die vom original südtiroler Koch frisch zubereitet werden. Kaiserschmarrn, Kässpatzl und Knödel in den verschiedensten Varianten…

Irgendwelche Hipster

Doch das alles wird noch getoppt durch das Auftreten der Besitzerin in ihrem Laden. Sie erzählt frei Schnauze, dass während in den Messehallen die #OMR18 (eine social media Messe) stattfindet, der Laden ständig brechend voll ist mit „irgendwelchen Hipstern“, die über Sachen reden, für die sie viel zu alt ist. Dann schreit der Koch mit österreichischem Dialekt irgendetwas, aus der Küche, worauf zurück geschrien geantwortet wird:

„JETZT REICHTS ABER MAL!“ und direkt im Anschluss pfeift der Koch fröhlich kakofonisch in der Küche weiter. Ein Cafe, das man so wohl nirgendwo anders finden wird. Einfach ein hipper Laden, der schon lang bevor die Hipster Einzug im Karolinenviertel gehalten haben, Trends gesetzt und einfach großartige Kuchen gebacken hat.

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