Gedanken eines Hobbykochs #2

Symphonie des guten Geschmacks

Kochen ist Kunst. Mit Geschmacksnoten komponiere ich Symphonien und mit den Farben der Lebensmittel entsteht ein Gemälde auf dem Teller. Ein besonderes Geschmackserlebnis zu kreieren ist einfach das Größte. Nicht umsonst hatte Schiller immer einen fauligen Apfel in seinem Schreibtisch. Er sagte, dass dieser Geruch, der von dem Apfel ausströmt ihn beim Schreiben inspiriere. Zugegeben, an einen Goethe ist er damit nicht herangekommen aber um auf solche Ideen wie Faust zu kommen muss man auch wohl an anderem schnuppern als an fauligen Äpfeln.

Der große Vorteil der Kochkunst ist, dass es alle Sinne zugleich betören kann. Hören, riechen, schmecken, sehen, mit der Kochkunst kannst du es mit jeder anderen Form der Kunst aufnehmen. Eine Menüfolge gleicht einem Theaterstück oder einer Oper in mehreren Akten oder einem Lied, einer Komposition, die sich aufbaut und einem Drama, das mit dem Gruß aus der Küche eingeleitet wird und mit dem Dessert seine Klimax erreicht. Unterschiedliche Texturen übernehmen in der Handlung verschiedene Handlungsstränge, die in den einzelnen Gängen zusammengeführt werden. Lebensmittel übernehmen die einzelnen Rollen und im Zusammenspiel miteinander wird daraus ein Dialog, der sich auf dem Teller manifestiert. 

Kochbücher & Kochblogs

Da merkt man mal, wie komplex Kochen sein kann und wie hoch literarisch. Ist ein bisschen was anderes als der schrecklichen Synchronisation der Jamie Oliver Kochshows zu lauschen. Naja, die britische Küche ist ja auch nicht unbedingt für seine kulinarischen Spitzen bekannt, sondern eher für Fish & Chips und Fleisch in Minzsauce. Dabei muss diese Form der Kunst nicht besonders schwer sein. Einfache Aromen zu kombinieren, die gut miteinander harmonieren und im Mund Spaß machen lassen sich zu einem köstlichen Gericht vereinen. Der schlimmste Kunstbanause wird mit einem kulinarischen Meisterwerk zum Kunstliebhaber. 

Genauso mannigfaltig, wie die Köche sind, genauso unterschiedlich ist auch die Kunst, die in der Küche entsteht. Jeder verleiht seinem Kunstwerk etwas Einzigartiges durch seinen eigenen Duktus. Mal hart mal sanft, mal harmonisch mal gewagt. So unterschiedlich die Geschmäcker in der Kunst- und Kulturszene sind, so weit gehen auch die Meinungen am Esstisch auseinander. Jedoch wer sagt Kochen sei langweilig hat noch nie ein solches Kunstwerk gekostet.  

Kochbücher & Kochblogs sind die neuen Poesiealben, die mit den Bildern, Rezepten und Texten die Schönheit der Lebensmittel in ein neues Licht rücken und die Kunstform Kochen in den Fokus setzt. Genießen kann jeder und jeder kann zum Küchenpoet werden. Die Kunst ist es, es einfach zu machen. Sei ein Künstler und probiere es aus. 

 

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